Gefechte zwischen Indien und Pakistan in Kaschmir

Handreichung Nr. 67, Reservistenverband

Der seit 1947 anhaltende Konflikt im Grenzgebiet eskalierte im September erneut

Nachdem am 8. Juli in Kaschmir indische Polizeitruppen den Jugendführer Burhan Wani erschossen hatten, eskalierte die Lage in der Region. Bei den folgenden Straßenkämpfen ließen bislang mehr als 90 Menschen ihr Leben. Es sind die schwersten Unruhen seit dem Jahr 2010. Vorläufiger Höhepunkt ist ein Angriff aufständischer Kämpfer auf ein indisches Armeelager, sie töteten dabei 18 indische Soldaten.

Die schwerste Terrorattacke seit 20 Jahren
Den Angriff verübten schwer bewaffnete kaschmirische Aufständische in den frühen Morgenstunden des 18. September im Ort Uri, 100 Kilometer westlich von Srinagar in äußersten Norden Indiens. Sie verschafften sich Zugang zu dem indischen Armeelager, eröffneten das Feuer und warfen Handgranaten. Bei dem Gefecht gerieten auch mehrere Zelte und Unterkünfte in Brand. Auf indischer Seite wurden bei dem Angriff 18 Soldaten getötet und 35 verwundet. Vier der Angreifer wurden ebenfalls getötet.

Aufstände und Straßenkämpfe der kaschmirischen Jugend
Die jüngsten Aufstände wurden durch den Tod des Jugendführers Burhan Wari ausgelöst, der von Spezialeinheiten der indischen Polizeitruppen erschossen wurde. Seitdem hält ein Aufstand der kaschmirischen Jugend gegen die indischen Sicherheitskräfte an. Täglich sammeln sich Hunderte Jugendliche in den Straßen und attackieren Armeefahrzeuge und Polizeiposten mit Steinen und Brandsätzen. Ziel der Aufstände ist die Unabhängigkeit Kaschmirs von Indien. Unterstützt werden die Separatisten mutmaßlich von Pakistan.

Verschärfte Spannungen zwischen Delhi und Islamabad
Der Angriff auf das Armeelager ist ein schwerer Schlag für die indischen Streitkräfte. Innenminister Rajnath Singh zeigte sich enttäuscht über die anhaltende Unterstützung Pakistans. Islamabad dementiert jedoch die Unterstützung für die kaschmirischen Freiheitskämpfer. Heikel ist, dass der Angriff nahe der sogenannten Line of Control stattfand. Diese Linie trennt Kaschmir in den von Pakistan und in den von Indien besetzten Teil. Die indischen Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die Angreifer über die Line of Control aus pakistanisch kontrolliertem Gebiet eingesickert sind, wie sie es nach indischen Angaben schon seit Jahrzehnten tun.

Konflikt seit 1947
Der Territorialkonflikt um Kaschmir hat seinen Ursprung in der Auflösung des indischen Fürstenstaates Jammu und Kaschmir im Jahr 1947, als das vormalige Britisch-Indien geteilt wurde. Seitdem erheben sowohl Pakistan und Indien als auch China Ansprüche auf Teile des umstrittenen Territoriums. China beansprucht und kontrolliert ein unbewohntes Gebiet im Osten Kaschmirs. Seitdem Indien im Jahr 1962 eine Niederlage im Grenzkrieg mit China erlitt, sind die Territorialstreitigkeiten um dieses Gebiet jedoch nicht mehr in Gewalt ausgeufert. Der Konflikt zwischen Pakistan und Indien hingegen entzündete sich viermal zu einem offenen Grenzkrieg, zuletzt 1999. Jedoch gehen seitdem die Opferzahlen stetig zurück und verharrten zuletzt auf dem Niveau der späten 1980er Jahre. Brisant: Sowohl Pakistan und Indien als auch China besitzen Nuklearwaffen.

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