Die Rückeroberung Mossuls im Nordirak

Handreichung Nr. 70, Reservistenverband

Bei der Befreiung Mossuls vom IS kämpfen neben der irakischen Armee auch Peschmerga

Die zweitgrößte Stadt des Irak wurde von den Milizen des sogenannten „Islamischen Staates“ (Handreichung Nr. 36) im Juni 2014 eingenommen. Seit dem Beginn der Offensive zur Rückeroberung der Stadt durch die irakische Armee und ihre Verbündeten konnten bereits viele der umliegenden Gebiete zurückerobert werden. Vor kurzem gelang es, auch die Versorgungswege des IS abzuschneiden. Die Terrormilizen selbst verschanzen sich mithilfe von Selbstmordattentätern, Sprengfallen und menschlichen Schutzschildern in der Stadt.

Ungeklärte Gebietsfragen
Mossul liegt im umstrittenen Gebiet zwischen der irakischen Zentralregierung und der autonomen Region Kurdistan (ARK). Weil die Stadt über große Ölvorkommen verfügt, kam es in der Vergangenheit häufiger zu Grenzkonflikten. Gleichwohl führen beide Streitkräfte seit Oktober eine Großoffensive mit insgesamt rund 30.000 Soldaten zur Rückeroberung Mossuls durch. Beide Seiten befürchten jedoch, dass die jeweils andere die Lage nach einer erfolgreichen Vertreibung des IS ausnutzen könnte, um die eigenen Ziele durchzusetzen.

Weitere Parteien
Noch komplizierter wird die Situation durch die Allianz mit schiitischen Milizen. Diese unterstützen die Offensive der Peschmerga und der irakischen Armee am Boden mit einer Blockade der Versorgungswege des IS. Allerdings sind die Milizen mittlerweile dafür bekannt geworden, äußerst brutal gegen die vom IS befreite sunnitische Bevölkerung vorzugehen. Ein weiteres Problem für die Zentralregierung in Bagdad ist der Einfluss des Iran auf diese Milizen. Auch syrisch-kurdische Truppen, in erster Linie Teile der sogenannten Volksverteidigungseinheiten (YPG), haben sich in der Region stationiert, um dem IS den Weg nach Syrien abzuschneiden. Zusätzliche Unterstützung erhalten die Parteien aus der Luft von den USA bzw. der von ihr angeführten internationalen Koalition.

Unterstützung der Peschmerga
Auch die Bundeswehr ist mittelbar am Kampf gegen den IS beteiligt. 2014 lieferte die Bundesrepublik Deutschland erstmals Waffen an die Peschmerga. Maßgeblich entscheidend hierfür war die Bedrohung der größtenteils kurdisch-stämmigen Bevölkerungsgruppe der Jesiden durch die IS-Milizen im August 2014. Ein Völkermord konnte jedoch nicht mehr verhindert werden. Viele Männer und Frauen der überlebenden Jesiden kämpfen nun für die Peschmerga gegen den IS.

Im Januar 2015 beschloss der Bundestag, Peschmerga-Soldaten durch Bundeswehrpersonal gezielt ausbilden zu lassen. Das Mandat wurde Anfang dieses Jahres verlängert und umfasst den Einsatz von bis zu 150 Soldaten. Bisher haben diese circa 2.000 Kämpfer im nordirakischen Erbil ausgebildet. Seit Beginn der Offensive auf Mossul sind einige Truppenteile für die Ausbildung näher an die Frontlinie gerückt.

Unterstützung der internationalen Koalition
Nach den Anschlägen in Paris im November 2015 kam die Bundesregierung außerdem der Bitte der französischen Regierung um Unterstützung im Kampf gegen den IS nach (Handreichung Nr. 49). Im November dieses Jahres wurde zudem eine Ausweitung auf den Nato-Einsatz beschlossen. Deutsche Soldaten werden nun zusätzlich –zunächst bis Ende 2017– in Luftraumüberwachungsflugzeugen vom Typ Awacs eingesetzt.

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