Was jetzt passieren muss: Zehn-Punkte-Plan für die Veteranenarbeit

Pressemitteilung vom 23.11.2018

Berlin. Der Grundstein ist gelegt: Seit einer Woche gibt es in Deutschland ganz offiziell Vetera-nen. Um den Begriff nun mit Leben zu füllen und Soldaten und Reservisten die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie für ihren Dienst für unser Land verdienen, hat der Reservistenver-band einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet und schlägt dessen Umsetzung vor. „Wir verstehen diese Agenda als Impuls für eine breite gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung mit dem Thema Veteranen“, so Oberst d.R. Oswin Veith MdB, Präsident des Reservistenverbandes.

Veith, der Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages ist, schlägt an erster Stelle einen Veteranen-Rat vor, der beim Reservistenverband angesiedelt, jedoch unabhängig geführt ist. Dieser könnte die vielen Stimmen der Veteranenbewegung in Deutschland bündeln und deren Anliegen – geführt durch einen ehrenamtlichen General a.D. bzw. Admiral a.D. – an die Leitungsebene des Verteidigungsministeriums kommunizieren. Weiterhin sollte das Lotsensystem auf die Reserve ausgeweitet werden, welches den Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe auf Augenhöhe bietet. Für die Reserve bestehen vergleichbare Systeme bislang nur in Teilen. Daher regt der Reservistenverband an, die Lotsenausbildung für Veteranen zu öffnen und Dienstposten in der Reserve für „Lotsen für Veteranen“ zu schaffen, insbesondere auch an den Orten, wo die aktive Truppe nicht mehr stationiert ist, um entsprechend ausgebildete Ansprechpartner zu gewährleisten.

Dazu sollte der zu errichtende Veteranen-Rat, in enger Absprache mit dem Verteidigungsministerium, eine Veteranenkonzeption ausgestalten, die als Ausdruck der Solidarität mit unseren Veteranen auch die Überlegungen hinsichtlich eines Veteranentags voranbringt. Den Vorstoß der Ministerin, die Invictus Games nach Deutschland zu holen, hält der Reservistenverband für ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit den Einsatzverwundeten. Dies muss von einem breiten Konsens in Politik und Gesellschaft getragen werden. Zu guter Letzt: Die Leistung unserer Veteranen kann mit Geld kaum bemessen werden. Auch kleine Zeichen der Anerkennung geben trotzdem etwas zurück. Mittels eines Veteranenausweises besteht die Möglichkeit, im Rahmen von ermäßigten Eintrittspreisen sowie Partnerschaftsprogrammen mit Industrie und Handel die Verdienste unserer ehemaligen Soldatinnen und Soldaten auf diese Weise zu würdigen.

Hintergrund der Initiative des Präsidenten Veith ist die von Verteidigungsministerin von der Leyen erfolgte Anerkennung des Veteranenbegriffs. „Das alles sind Denkanstöße, die wir in unserer Arbeit für ehemalige Soldatinnen und Soldaten und mit unseren Partnerverbänden entwickelt haben“, betonte Veith. Der Zehn-Punkt-Plan solle die angemessene Wertschätzung unserer Gesellschaft gegenüber den Veteranen verdeutlichen, ihnen eine gewisse Mitsprache sichern und ihnen ganz konkrete Hilfestellungen und Vergünstigungen anbieten.

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Tel. 0176 15317770

Zehn-Punkte-Plan für die Veteranenarbeit

Den deutschen Veteraninnen und Veteranen gebühren, wie die Bundesministerin der Verteidigung Dr. Ursula von der Leyen festgehalten hat, Respekt und Anerkennung, egal ob sie in Auslandseinsätzen, im Kalten Krieg oder im Grundbetrieb gedient haben. Aus diesem Grund setzt sich der Reservistenverband als größte Vereinigung ehemaliger Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr seit Langem für die Anerkennung und Würdigung der Leistung ein, die unsere Männer und Frauen in Uniform erbracht haben.

Der Reservistenverband hatte den Veteranenbegriff schon 2015 in seine Satzung aufgenommen. Dies signalisiert den zentralen Stellenwert, den der Reservistenverband seit jeher den Veteraninnen und Veteranen beimisst. Der Reservistenverband ist bei Gesetzes- und Verordnungsmitzeichnungen standardmäßig beteiligt. Dort sowie auch in direkten Gesprächen mit Arbeitsebene und Führung des Ministeriums und im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages hat er dem Thema den entsprechenden Boden bereitet.

Eine Klärung und Enttabuisierung des Begriffs waren notwendig und zweckmäßig, um den berechtigten Anliegen der Veteraninnen und Veteranen Sichtbarkeit zu verleihen. Nun gilt es, diesen Begriff mit Leben und Anerkennung zu füllen. Um diese Ziele zu erreichen, bilden folgende erste Maßnahmen den notwendigen Handlungsrahmen:

1. Veteranen-Rat:

Der Reservistenverband ist in seiner zentralen Mittlerrolle seit Jahrzehnten erfolgreich darin, den ehemaligen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr eine Stimme zu verleihen und Gehör zu schenken. Um der Vielzahl an Akteuren in der Community einen Ort zum Austausch, zur Diskussion und zur Meinungsfindung zu geben, richtet der Reservistenverband einen „Rat für Veteranenarbeit beim Reservisten-verband“ ein.

2. Veteranen-General / -Admiral:

Den ehrenamtlichen Vorsitz in diesem „Veteranen-Rat“ hat ein truppen- und einsatzerfahrener General a.D. oder Admiral a.D., der als authentische Identifikationsfigur und ungebundene Person die Akteure glaubwürdig und zielgerichtet vertreten kann.

3. Vortagsrecht im BMVg:

Dieser Veteranen-General / -Admiral sollte ein direktes Vortragsrecht in Veteranenangelegenheiten bei der Hausleitung des BMVg haben, um dort den berechtigten Anliegen der Veteraninnen und Veteranen eine Stimme zu verleihen.

4. Veteranenkonzeption:

Nach dem historischen und mutigen Schritt, sich des Veteranenbegriffs anzunehmen, sollte nun durch das Bundesministerium der Verteidigung eine umfassende Veteranenkonzeption erarbeitet werden. Der Veteranen-Rat beim Reservistenverband wird diesen Prozess konstruktiv, aber kritisch begleiten und die Stimmen unserer Veteranen zu Gehör bringen.

5. Veteranentag:

Was in anderen Ländern längst gängige Praxis ist, sollte auch hierzulande Eingang in die öffentliche Erinnerungskultur finden. Vor diesem Hintergrund des nunmehr bestehenden Veteranenbegriffs setzt sich der Reservistenverband für die Schaffung eines Veteranentages ein, der die Leistungen der Frauen und Männer, die sich in der Uniform der Bundeswehr für den Frieden und die Freiheit unseres Landes eingesetzt haben, entsprechend würdigt. Datum und Ausgestaltung dieses Tages wird eines der ersten Themen im Veteranen-Rat sein.

6. Veteranenabzeichen:

Parallel zu einem Tag des öffentlichen Gedenkens schlägt der Reservistenverband ein offizielles Veteranenabzeichen vor, das als sichtbares Erkennungssymbol zur Identitätsstiftung der Veteranen beiträgt. Auch dessen Ausgestaltung steht auf der Agenda des Veteranen-Rats.

7. Zeichen der Solidarität:

Der Reservistenverband setzt sich mit seinen Partnern für eine Verstärkung der Anerkennung und Wertschätzung unserer Veteraninnen und Veteranen in unserer Gesellschaft ein. Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Firmen und staatliche Stellen sind aufgerufen, ein deutliches Zeichen der Solidarität zu setzen. Hierzu sind ein offizielles Veteranenabzeichen und das Symbol der Gelben Schleife zweckmäßig und zielführend.

8. Veteranen-Ausweis:

Die Leistung unserer Veteranen ist kaum mit Geld zu bemessen. Kleine Zeichen der Anerkennung geben trotzdem etwas zurück. Mittels eines Veteranenausweises besteht die Möglichkeit, im Rahmen von ermäßigten Eintrittspreisen sowie Partnerschaftsprogrammen mit Industrie und Handel die Verdienste unserer ehemaligen Soldatinnen und Soldaten auf diese Weise zu würdigen.

9. Ausweitung des Lotsensystems auf die Reserve und in die Fläche:

Die Lotsen für Einsatzgeschädigte der Bundeswehr sind eine Erfolgsgeschichte. Sie bieten Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe auf Augenhöhe. Für die Reserve bestehen vergleichbare Systeme bislang nur in Teilen. Daher schlägt der Reservistenverband vor, die Lotsenausbildung für Veteranen zu öffnen und Dienstposten in der Reserve für „Lotsen für Veteranen“ zu schaffen, um entsprechende Hilfe zu gewährleisten, wo keine aktive Truppe stationiert ist. Hier kann die Reserve ihre Stärke ausspielen und bestehendes ehrenamtliche Engagement nachhaltig und passgenau mit Unterstützung des Dienstherrn ergänzen.

10. Invictus Games:

Die Invictus Games haben uns gezeigt: Unsere Veteranen mit Einsatzverwundungen sind starke Kameradinnen und Kameraden! Wir schlagen daher vor, die Invictus Games nach Deutschland zu holen, in die Mitte der Bevölkerung, also in eine geeignete Großstadt wie Berlin, Hamburg oder München. Dies muss von einem breiten Konsens in Politik und Gesellschaft getragen werden.